Herzblut für die Heimat
Große Ehre für Johanna Graupe und Josef Siegfried Erdrich: Die beiden Oberkircher erhielten bei der Auftaktveranstaltung der Landesfesttage in Oberkirch die Heimatmedaille Baden-Württemberg.
Johanna Graupe (Zweite von rechts) erhielt als eine von zehn Menschen in ganz Baden-Württemberg die Heimatmedaille, überreicht von OB Gregor Bühler, Neşe Erikli und Bernhard Fehrenbach (von links). Fotos: Andreas Wenck
Von Jenny Hilger Oberkirch. "Wer an Heimat glaubt, ist immer irgendwo auf der Welt gut aufgehoben. Es ist ein wunderbares Gefühl, dass man in sich trägt", führt Matthias Drescher am Freitag ins Thema des Nachmittags in Oberkirch ein. Im Rahmen der Heimattage würdigt die Landesregierung Baden-Württembergs gemeinsam mit dem Landesausschuss Heimatpflege seit 1978 Persönlichkeiten, die sich um ihre Heimat besonders verdient gemacht haben. Dieses Jahr sind unter den zehn Menschen, die für ihren Einsatz mit der Heimatmedaille ausgezeichnet werden, gleich zwei Personen aus Oberkirch: Johanna Graupe und Josef Siegfried Erdrich. Die Erwin-Braun-Halle ist gut gefüllt, dazwischen Menschen gekleidet in verschiedene Trachten, die Gäste trinken den letzten Schluck Kaffee, umarmen sich zur Begrüßung. Ein Gong ertönt, ein Film "Heimat ist..." läuft und spätestens beim Auftritt der Moosgranaten aus Ödsbach klebt auch das letzte Augenpaar auf der Bühne. Sie spielen den Journey-Klassiker "Don't stop Believin'", oder wie es OB Gregor Bühler ausdrückt: "Her net uff dran z' glaube." Einsatz mit Tatkraft Ein schöner Gedanke, findet er, dass gerade in herausfordernden Zeiten wie heute Menschen sich mit viel Herzblut, Überzeugung und Tatkraft für Heimat und Gesellschaft einsetzen. "Da fällt es schwer, nicht an das Gute zu glauben", sagt Bühler in seiner Begrüßungsansprache und verbindet Oberkirchs Motto "Heimat ist da, wo Gutes entsteht" mit den Heimattagen. Er lobt die Vereine und Ortschaften für ihre großen Leistungen, gerade auch mit eigenen Veranstaltungen im Heimattagejahr. Sie alle würden dieses Motto mit Leben füllen – "in diesem Jahr besonders". "Heimat ist ein Gefühl, eine Haltung, eine Sehnsucht. Es kann der Ort sein, an dem wir geboren sind, es kann Sprache sein, Dialekt, Landschaft, ein Klang, ein Geruch. Heimat ist zutiefst individuell und entsteht dort, wo Vertrautheit wächst", umreißt Staatssekretärin Neşe Erikli vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst den Heimatbegriff, um den sich die Verleihung dreht. Menschen, die diese Heimat und das Zusammenleben prägen – um die gehe es bei der Heimatmedaille. Erikli freue sich, dass sich rund eine Million Menschen in Baden-Württemberg in der Heimatpflege ehrenamtlich engagieren. "Meinen tiefsten Dank an alle Träger dafür, dass sie Heimat immer wieder neu denken, sich für ihre Mitmenschen einsetzen und ihnen Halt geben." Nach einem weiteren Auftritt der Moosgranaten kündigt Moderator Drescher "zehn weitere Granaten" an und nimmt die Gäste in der Halle mit auf eine Rundreise durch Baden-Württemberg. Kurzfilme zeigen, warum die Geehrten die Heimatmedaille verdient haben. Josef Erdrich erzählt in seinem Video, wie er sich im Bereich Integration mit dem Projekt "Team 4 Winners" einsetzt und "zur Willkommenskultur der Stadt beiträgt", wie der Film beschreibt. "Heimat ist nicht auf einen Raum begrenzt. Sie ist da, wo man sagt: 'Hier ist es gut zu leben', und da, wo man Akzeptanz hat", definiert Erdrich im Film Heimat für sich und nimmt auf der Bühne unter Applaus Urkunde, Medaille, Gastgeschenk und Händedrücke an. Johanna Graupes Kurzfilm führt auf die Theaterbühne und zeigt ihren vielfältigen Einsatz seit 40 Jahren für die Burgbühne, eine "feste Größe im Kulturleben der Stadt Oberkirch", sowie die Junge Bühne an der Realschule. Sie erzählt, wie ein "unbeschulbarer" Schüler sich durch das Theater so gut entwickelt hat, dass er später selbst zum Pädagogen wurde, und stellt den Oberkirch-Slogan um zu: "Heimat ist da, wo Gutes möglich gemacht wird." Applaus begleitet Graupe auf die Bühne und sie bedankt sich bei der Unterstützung der Stadt und der Schulen, bevor auch sie ihre Medaille entgegennimmt. Sowohl Johanna Graupe als auch Josef Erdrich wurden von der Auszeichnung überrascht, wie sie im Gespräch verraten. "Ich kannte die Auszeichnung gar nicht", sagt Graupe. "Aber ich habe mich sehr darüber gefreut." Sie sieht die Medaille nicht nur als Auszeichnung für sich, sondern für alle Aktiven der Burgbühne und der Jungen Bühne für eine langjährige Kulturarbeit in Oberkirch: "Theater kann man nicht alleine machen." Erdrich betrachtet die Heimatmedaille als eine Ehre, betont allerdings: "Ich bin der Meinung, dass es sehr viel mehr aus unserer Stadt und unserer Region gibt, die prädestinierter wären als ich, diese Auszeichnung zu erhalten." Demokratie fördern Die Schluss- und Dankesworte spricht Bernhard Fehrenbach, Vorsitzender des Landesausschusses Heimatpflege, der erneut betont, wie "beeindruckend die Leistungen der heute Geehrten" seien. "Ich möchte auch den Vereinsmitgliedern der Geehrten danken, die ebenfalls ihren Teil zum Gemeinwesen beitragen", sagt Fehrenbach und nennt Vereine die "Werkstätte der Demokratie", wo schon junge Mitglieder erfahren, wie ein demokratisches Miteinander funktioniere. Nachdem die Moosgranaten noch einmal die Bühne stürmen mit ihrem eigens komponierten "Mein Oberkirch" und die beiden geehrten Oberkircher, Graupe und Erdrich, sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen dürfen, klingt die Auftaktveranstaltung der Landesfesttage in der Erwin-Braun-Halle bei heimischem Wein und guten Gesprächen aus – und bei allen im Saal mit noch etwas mehr Heimatgefühl als zuvor.
Die Geehrten Josef Erdrich und Johanna Graupe (Oberkirch), Jürgen Bertsche (Bräunlingen), Anita Ellinger (Bernau), Inge Hemberger (Wehr), Beate Krieg (Laichingen), Reiner Lichtenberger (Pfortzheim), Wolfgang Rößler (Rauenberg), Christa Vöhringer-Glück (Engstingen) und Hartmut Witte (Rottenburg)