22.06.2026

„Anna Herzstück“ - Uraufführung der Burgbühne

Bericht und Fotos: Johanna Graupe

Anne Kowalsky und André Kohler verkörpern als Anna und Heinrich – das designierte Brautpaar und  Antagonisten -  ganz formidabel und tragen das Stück - gemeinsam mit dem kongenialen Ensemble. Das Stück glänzt neben der Ensembleleistung mit Kabinettstückchen einzelner Spieler und Spielerinnen

Das Stück –eine Uraufführung anlässlich der Oberkircher Heimattage- glänzt neben der Ensembleleistung mit Kabinettstückchen einzelner Spieler und Spielerinnen

Großartiger und berührender Theaterabend mit Standing Ovations

Oberkirch (Gj). Volles Haus, bestes Freilichttheater, ein großartiges Ensemble in einem eindrücklichen Stück – angesiedelt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, das durchaus Brücken zu heute schlägt, vieles fühlt sich nah an. Der Autor Jürgen von Bülow hat die Oberkircher Geschichte der damaligen Zeit studiert und dem Regisseur Rob Doornbos ist es gelungen, den historischen Stoff in eine neue heutige Form zu bringen, die Tiefe bewahrt und trotzdem Leichtigkeit zulässt. Das kongeniale 24-köpfige Ensemble zeigte sich schon vom ersten Moment in der witzigen Rollenfindung spielstark und premierengelassen.

„Schnapsbrennen hat etwas mit Tradition zu tun“: Der Bischof von Straßburg gab die Rechte vor 300 Jahren, um Obst vor dem Verfaulen zu retten. Und Anna ist eine ganz besonders gute und gut aussehende Brennerin, die einheiraten soll, um ihre Familie finanziell zu retten. Die anvisierte gute Partie, der wohlhabende Heinrich, ist intrigant, übergriffig, sympathisiert schon mit den aufkommenden Nazis – und er stößt auf heftigen Widerstand der selbstbewussten Brennerin Anna, die jedoch auch das Beste für ihre Familie will. Anne Kowalsky und André Kohler verkörpern diese Antagonisten ganz formidabel und tragen das Stück - gemeinsam mit dem kongenialen Ensemble. Lennard Boschert als ruhiger, reflektierender Zöllner im Gegensatz zum großspurigen Heinrich bringt eine Änderung in die elterlichen Heiratspläne. Und Heimatdichter August Ganther und Grimmelshausen (Stefan Hellrung) haben im Stück natürlich auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Beste Stimmung im Publikum, sehr häufiger Szenenapplaus – und als das Ensemble das Badnerlied anstimmt, erheben sich die Zuschauer, die häufig ins Spiel mit einbezogen werden,  gleich mit. Das Stück glänzt neben der Ensembleleistung mit Kabinettstückchen einzelner Spieler und Spielerinnen um Annas Familie und Heinrichs Schwestern, den Zöllnern und Winzern,  Joel von Schönburg als alkoholabhängiger Brenner, dem Fabrikantenehepaar (I. Lachmann und V. Söllner-Kohler) und  Schwester Walburga (U. Kliewer-Mayer), die den Bezug zur Gegenwart deutlich macht.

Ein Stück, das Geschichte unterhaltsam serviert, eine tolle Regieleistung, unterstreichende Musik (Magnus Reichel), ein ausgefeiltes Bühnenbild, dazu eine Schauspiel-Leistung des Ensembles, die auf konsequente Weiterentwicklung setzt: ein Highlight für die Burgbühne.

Weitere Aufführungstermine des Freilichtstückes:

Fr. 26., Sa. 27., So. 28. Juni; Mi. 1., Sa. 4., So. 5., Mi. 8., So. 12., Fr. 17. und Sa. 18. Juli 2026 – Freitag und Samstag um 20:00 Uhr, außer am 20.6.; Mittwoch und Sonntag um 19:00 Uhr.

Die Veranstaltungen finden alle im Garten des „‘s freche hûs“ in Oberkirch statt.

Kartenvorverkauf: www.ortenaukultur.de, Bürgerbüro der Stadt Oberkirch, 07802/82700, Geschäftsstelle der Mittelbadischen Presse.